Byford's Brexit Box 
Öffentlicher und unkomplizierter kann der Zugang zu Literatur nicht sein: Künstler John Byford hat der von ihm vor vier Jahren aus der Partnerstadt Skegness mitgebrachten Telefonzelle ein neues Erscheinungsbild gegeben und sie in Europafarben gestaltet, der Innenbereich wurde in eine kleine Tauschbibliothek umgewandelt. Die Bevölkerung ist am Montag, 23. September, um 17 Uhr zur Übergabe der Neugestaltung an Bürgermeisterin Franziska Schwarz eingeladen, passend zur Uhrzeit gibt es dazu five o’ clock tea und Kuchen.
Die Zelle ist ein Kunstprojekt, das der Kommunikation zwischen den beiden Partnerstädten dienen soll und zum anderen sinnbildlich für Kommunikation insgesamt steht. In der ersten Version hatte Byford den Außenbereich mit dem klassischen deutschen Telefonzellengelb versehen, im Innenbereich blieb bis heute das ursprüngliche britische Rot. Ein Hingucker in der Zelle war ein großes Foto, das der Künstler am Strand von Skegness aufgenommen hatte. Um „The Box“ im Gespräch und die Öffentlichkeit auf dem Laufenden zu halten, rief er eine Facebookseite ins Leben.
Weil 100 Jahre zuvor der Erste Weltkrieg geendet hatte, wandelte er 2017 „The Box“ in die Friedensfarbe Weiß um, im Inneren waren die Namen der Gefallenen aus Bad Gandersheim und Skegness alphabetisch auf einer Gedenktafel zusammengefasst, das Original ist künftig im Museum zu sehen, eine kleinere Version im Rathaus, berichtet Ingrid Lohmann, die mit Byford befreundet und bei Bedarf gerne als Übersetzerin tätig ist. Sortiert wurde die Auflistung in alphabetischer Reihenfolge der Vornamen und nicht nach Nationen, um so die Gemeinsamkeit zu unterstreichen.
Anlässlich des Brexits entschied sich Byford, das Thema Europa bei der nun erfolgten Umgestaltung aufzugreifen. Bereits vorher gab es aus der Bevölkerung den Wunsch, dass eine Tauschbibliothek eingerichtet wird, weil die Telefonzelle mit ihrer Bestimmung als Kommunikationsort und ihrer Form einfach danach ruft. Aus dem ursprünglichen Projektnamen „two voices“ wird nun „many voices“. Dies spiegeln die Originalfarben der Europafahne wider.
England wird als „fallen star“ dargestellt. Der Europa­sternenkranz weist eine traurige Lücke auf. Das Thema der Bücher in der Tauschbox soll Europa sein.
„Wir wünschen uns hier möglichst viele fremdsprachige Bücher drin, natürlich auch deutschsprachige“, betonte Lohmann, die für die „Erstausstattung“ unter anderem im Freundeskreis gesammelt hat . Die Organisatoren würden sich freuen, wenn Besucher zur Eröffnung ein Buch mitbringen, das dann in die Box gestellt wird. Besonders an Werken in romanische und osteuropäischer Sprache besteht noch Bedarf. Dabei ist es egal, um welche Gattung von Literatur es sich handelt. „Die Leute sollen es selbst gestalten. Jeder kann sich etwas mitnehmen und etwas anderes reinstellen, schilderte Lohmann das Grundprinzip und verwies darauf, dass die Tischlerei Papenberg das Regal gesponsert hat. Gesucht werde noch ein Sponsor für die Beleuchtung.
„Eigentlich sollte das die letzte Version sein, aber dann kam die Landesgartenschau. Was kommt, wissen wir noch nicht, aber es kommt etwas", deutet Byford an. Es soll in jedem Fall eine „große Überraschung“ werden.
Der aus der Partnerstadt Skegness stammende Künstler John Byford hat die von ihm in Europafarben umgestaltete Telefonzelle auf der Stiftsfreiheit an die Stadt Bad Gandersheim übergeben. Sie dient künftig als Büchertauschbox. Bürgermeisterin Franziska Schwarz war es vorbehalten, symbolisch ein gelbes Band durchzuschneiden. Mehr in einer der kommenden Ausgaben des Ganderheimer Kreisblatts.